Hexameter

Homer für Herz & Hirn
Lesen Sie Gedichte – und werden Sie gesund! Was so unglaublich klingt, haben Mediziner nun nach zahlreichen Testreihen schwarz auf weiß bewiesen. Der besondere Rhythmus der antiken Strophen, v.a. der des Hexameters, wirke positiv auf das Zusammenspiel von Herz und Atmung und könne den Blutdruck senken, so die Wissenschafter. „Offensichtlich hilft der Hexameter dem Körper, seinen eigenen, guten Rhythmus zu finden“, resümiert Dirk Cysarz, Mitglied der Forschergruppe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin an der Universität Witten/Herdecke. Der Physiker hat in Witten über die Synchronisation von Herzschlag und Atmung promoviert. Ebenfalls an den aktuellen Studien beteiligt waren das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und die Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin der Universität Bern.
An den Untersuchungen nahmen 20 gesunde Männer und Frauen teil. Sie liefen dreimal für jeweils 20 Minuten durch einen Raum. Recht langsam: ungefähr mit 50 Schritten pro Minute. Bei einem der 20-Minuten-Durchgänge sollten sie spontan, also möglichst wie im Alltag atmen. Bei einem weiteren Durchlauf wurden sie gebeten, nach einem vorgegebenen Schema kontrolliert ein- und auszuatmen. Die dritte Runde war dadurch gekennzeichnet, dass die Probanden während des Gehens Hexameterverse aus der Odyssee nachsprachen, die der Versuchsleiter vorsprach. Während der Experimente wurden Herzschlag und Atmung der Teilnehmer gemessen.
Die Auswertung der Daten ergab: Während der Rezitation der antiken Verse war eine deutliche Synchronisation von Herzschlag und Atemfrequenz zu beobachten. Die durch den Hexameter-Rhythmus bedingten langsamen Atemschwingungen erzeugten eine harmonische und regelmäßige Herzschlagfolge.
Die musikalische Analogie zum Hexameter findet man übrigens im Walzer und im Menuett. Und die wirken ja auch ausgesprochen ausgleichend auf uns Hörer, oder? Von der wohltuenden Wirkung der Rezitation von Hexameter-Versen sind Kunsttherapeuten ja seit langem schon überzeugt – nun sind es auch die Mediziner.
Und noch eins: Versuchen Sie mal, ein paar Hexameter-Strophen gereizt, gehetzt oder aggressiv zu sprechen – ein Ding der Unmöglichkeit! Der einzigartige Rhythmus des Hexameter-Versmaßes (griech.: hex = sechs und metron = Silben-, Versmaß) verhindert jeglichen Stress oder Anspannung beim Rezitieren und verhilft zu innerer Ruhe und Gelassenheit.
Probieren Sie es doch selbst!
>>> Homer: Die Odyssee
>>> Ovid: Die Metamorphosen
>>> Goethe: Reineke Fuchs
>>> Goethe: Hermann und Dorothea
Hier vorab noch ein paar Hintergründe zum Hexameter:
Der Hexameter (griechisch εξάμετρον, mit Betonung auf dem „a“, wörtlich "Sechs-Maß") gilt als DAS klassische Versmaß der epischen Dichtung. Dabei werden sechs Silben pro Verszeile betont. In der strengsten Form folgen der betonten Silbe stets zwei unbetonte.
Die frühesten und bekanntesten Zeugnisse epischer Dichtung in Hexametern sind wohl Homers Ilias und die Odyssee, weiters Vergils Aeneis und Ovids Metamorphosen.
